Liebeserklärung an alle introvertierte Menschen

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Introvertiert, oder schüchtern sein, ist keine Schwäche. Zwischen den beiden Polen Introversion und Extraversion gibt es zudem Abstufungen.

Ich war als Kind sehr schüchtern. Ich habe oft den Druck verspürt, mich doch bitte wie eine extravertierte Person zu verhalten. „Geh´ doch mal da hin jetzt…“ „Gib dem Herrn die Hand zur Begrüßung…“ waren Anweisungen, die schon vor der ersten Begegnung mit einer fremden Person Unbehagen bei mir auslösten. Ebenso das Aufsuchen von vollen Räumen, einer Turnhalle oder einem Festsaal, bereitete mir Bauchschmerzen. Als introvertiertes Kind ist es gar nicht so leicht sich in einer Welt zurecht zu finden, in der extravertierte Menschen voll im Trend liegen.

Als Erwachsener begann ich erst langsam dieses Spiel zu durchschauen.

Mein erster Berufswunsch war es Musiker zu werden. Musiker… auf der Bühne. Ein Ort, der für schüchterne Menschen meist Überwindung kostet. Dennoch hat mich die Liebe zur Musik eine der wichtigsten Erfahrungen meines Lebens machen lassen: Ich hatte die Gelegenheit, mit einer sehr erfahrenen Sängerin auf Tournee zu gehen. Sie lehrte mich auf der Bühne meine Schüchternheit zu überwinden, indem sie mich bat immer wieder ins Publikum zu schauen. Alleine den Gedanken daran fand ich fürchterlich, doch bei einem Konzert forderte sich mich erneut auf, den Blick ins Publikum zu richten. Als ich die Menschen erblickte, sah ich zu meiner Verwunderung lauter entspannte Menschen, die einen netten Abend hatten.

„Extravertierte sind auf der Suche nach Belohnung, Introvertierte leben in Sorge vor Bestrafung“. So hat es der Persönlichkeitspsychologe Brian R. Little einmal auf den Punkt gebracht. Anders ausgedrückt, verlassen Extravertierte ihr Heim auf der Suche nach Beute, Introvertierte halten Ausschau nach Angreifern. Evolutionär gesehen haben beide Eigenschaften ihre völlige Berechtigung: Während die Einen unter hohem Risiko nach der nächsten Trophäe jagen, halten die Anderen Ausschau nach Bedrohungen, um rechtzeitig zu warnen. Die beide Extreme ergänzen einander.

Was ich letztendlich so reizvoll am Fotografieren von introvertierten Menschen finde ist, dass ich mich sehr gut in sie hineinversetzen kann. Ich habe die positiven Seiten des Extravertiert-Seins schätzen gelernt und kann introvertierte Menschen mit auf die andere Seite nehmen. Immer mit Rücksicht darauf, dass passende Tempo ein zu halten.